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LSB Berufsethik 3

Ziele und Grenzen der Ethik

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Berufsethik LSB

Übung

Wer bekommt das Spenderherz?
Angeborene oder erworbene Herzerkrankungen können zu lebensbedrohlichen Zuständen führen und die Lebenserwartung drastisch verringern. Ein geeignetes Spenderherz verbessert diesen Zustand, garantiert ein halbwegs normales Leben und erhöht die Lebenserwartung um einige Jahre. In Österreich gibt es eine lange Warteliste aufgrund des hohen Bedarfs, aber nur wenige Organspender.
Stellen Sie sich vor, Sie sind Mitglied einer Kommission, die zu entscheiden hat, wer das nächste Spenderherz erhält. Aufgrund der Warteliste und der Überprüfung der Organverträglichkeit stehen vier PatientInnen zur Auswahl. Jede/Jeder dieser PatientInnen wartet dringend auf ein Herz, bei allen ist die medizinische Notwendigkeit gegeben und alle haben die gleiche Chance auf einen erfolgreichen Eingriff. Die Kommission sollte eine möglichst gerechte und rasche Entscheidung treffen. Für die Transplantation kommen folgende PatientInnen in Frage:
Frau M. ist 44 Jahre alt und nach einer Scheidung Alleinerzieherin von zwei minderjährigen Kindern. Aufgrund ihrer Krankheit war es ihr nicht mehr möglich arbeiten zu gehen. Ihre finanzielle Lage ist sehr schwierig. Ihr größter Wunsch wäre ein Spenderherz, damit sie wieder arbeitsfähig wird und ihren Kindern ein Studium ermöglichen kann.
 
Herr U., 46 Jahre alt, ist ein erfolgreicher Unternehmer, der in Österreich eine gut florierende Firma aufgebaut und damit vielen Menschen einen sicheren Arbeitsplatz gegeben hat. Er leidet sehr an seiner Kindheit an einer Herzerkrankung, die sich stressbedingt sehr verschlechtert hat und eine Transplantation notwendig macht.
 
L., ein 15jähriges Mädchen, leidet an einer Erkrankung, die es ihr unmöglich macht, die Schule weiter zu besuchen. Sie hat seit ihrer Kindheit an dieser Krankheit laboriert und viele Krankenhausaufenthalte hinter sich. Viele Dinge, die Jugendlichen ihres Alters machen, sind für sie unmöglich. Ihr größter Wunsch ist es, ganz normal zu leben.
Frau A. ist 59 Jahre alt und aufgrund ihrer Erkrankung in Frühpension. Sie hat ihr ganzes Leben als Reinigungskraft gearbeitet und hat vier Kinder großgezogen.

Zu welchen Entscheidungen könnte es kommen, wenn jeweils ausschließlich eines der folgenden Kriterien herangezogen würde?


  • Bezugnahme auf ein Faktum: In einem solchen Rekurs, bringt sich in der Regel eine allgemein als verbindlich anerkannte Norm zum Ausdruck. Beispiel: „Warum jemand einem Menschen geholfen hat?“ „Weil er mein Freund ist“. Ob dies der Fall ist, d.h. ob tatsächlich ein allgemeiner Konsens besteht, muss aber von Fall zu Fall geklärt werden.

  • Bezugnahme auf Gefühle: In der Weise z.B.: „Weil ich einfach nicht anders konnte und helfen musste“. Solche Argumentationen sind nicht moralisch hinreichend, sondern es muss nach dem Werturteil gefragt werden.

  • Bezugnahme auf mögliche Folgen: In der Weise z.B.: „Weil die Kinder darunter zu leiden hätten“. Das ist die Argumentationsform des Utilitarismus. Es ist aber die Frage, ob eine gebotene Handlung immer an das Glück der Betroffenen gebunden sein muss. Folgenüberlegungen sind zwar unabdingbar, aber für eine moralische Begründung nicht hinreichend.
  • Bezugnahme auf einen Moralkodex: Dabei gilt, dass die angeführte Norm von Fall zu Fall neu problematisiert werden muss. Auch ändern sich die Normen entsprechend den wechselnden Bedürfnissen.

  • Bezugnahme auf moralische Kompetenz: Anerkannte Personen oder Instanzen die als Autoritäten gelten, ersetzen nie die persönliche Begründungspflicht.

  • Bezugnahme auf das Gewissen: Das Gewissen ist aber nicht unfehlbar. Es müssen „gute Gründe“ hinzukommen.

Diskutiert diese Thematik in der Gruppe.
Danach beantworte bitte dazu folgende Fragen: