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LSB Berufsethik 2

Ziele und Grenzen der Ethik

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Ethische Reflexion

Die ethische Reflexion beschäftigt sich mit den Regeln menschlichen Handelns und mit ihrer möglichen Legitimation. Ethische Reflexion ersetzt aber nicht die moralische Praxis. Die ethische Reflexion macht Menschen auch nicht moralisch. Dies geschieht ausschließlich durch die Praxis.
Die Ethik ist auch keine Supermoral, die den Menschen einen Normenkatalog vorschreibt. Sie beschränkt sich damit, die Moral zu begründen und Optionen des Handelns darzulegen. Ethik ist somit auch keine bloße Fallsammlung (oder „Kasuistik“), auch wenn die Fallanalyse zum Bestandteil ethischer Reflexion gehört.
 

Grundformen moralischer und ethischer Argumentation

Ein Ziel der Ethik ist, über die verschiedenen Formen moralischen und ethischen Argumentierens nachzudenken. Bei den ersten geht es um die verschiedenen Bezugsrahmen, worauf die Legitimität von Handlungen beurteilt wird. Bei dem zweiten geht es um die verschiedenen Legitimationsverfahren.
In der Alltagspraxis wird die Rechtmäßigkeit einer geschehenen Handlung mit Bezug auf „gute Gründe“ beurteilt. Pieper unterteilt solche Begründungsstrategien in sechs Klassen, nämlich:
 
  • Bezugnahme auf ein Faktum: In einem solchen Rekurs, bringt sich in der Regel eine allgemein als verbindlich anerkannte Norm zum Ausdruck. Beispiel: „Warum jemand einem Menschen geholfen hat?“ „Weil er mein Freund ist“. Ob dies der Fall ist, d.h. ob tatsächlich ein allgemeiner Konsens besteht, muss aber von Fall zu Fall geklärt werden.

  • Bezugnahme auf Gefühle: In der Weise z.B.: „Weil ich einfach nicht anders konnte und helfen musste“. Solche Argumentationen sind nicht moralisch hinreichend, sondern es muss nach dem Werturteil gefragt werden.

  • Bezugnahme auf mögliche Folgen: In der Weise z.B.: „Weil die Kinder darunter zu leiden hätten“. Das ist die Argumentationsform des Utilitarismus. Es ist aber die Frage, ob eine gebotene Handlung immer an das Glück der Betroffenen gebunden sein muss. Folgenüberlegungen sind zwar unabdingbar, aber für eine moralische Begründung nicht hinreichend.

  • Bezugnahme auf einen Moralkodex: Dabei gilt, dass die angeführte Norm von Fall zu Fall neu problematisiert werden muss. Auch ändern sich die Normen entsprechend den wechselnden Bedürfnissen.

  • Bezugnahme auf moralische Kompetenz: Anerkannte Personen oder Instanzen die als Autoritäten gelten, ersetzen nie die persönliche Begründungspflicht.

  • Bezugnahme auf das Gewissen: Das Gewissen ist aber nicht unfehlbar. Es müssen „gute Gründe“ hinzukommen.

Übung

Wie würdest du entscheiden?
Ein Zug mit kaputtem Bremssystem rast auf einen Bahnhof zu. Fährt er ungebremst weiter, fährt er direkt auf eine Baustelle zu, wo 5 Personen arbeiten. Eine Möglichkeit, die Arbeiter rechtzeitig zu warnen, gibt es nicht. Vermutlich würden dadurch alle 5 Personen getötet.
Du hast aber die Möglichkeit, den Zug umzuleiten und so von der vorgesehenen Strecke wegzubringen. Dadurch rettest du diese 5 Personen.
Auf dieser anderen Strecke befindet sich jedoch auch eine nichtsahnende Person. Diese kann ebenfalls nicht gewarnt werden und wäre somit dem sicheren Tod ausgeliefert.
Wie würdest du die Situation beurteilen und wie würdest du entscheiden?
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Diskutiert diese Thematik in der Gruppe; beantworte danach diese Fragen: